Der Liebe und unvermittelt auftauchenden Löchern kann man nicht ausweichen

Nach Was man von hier aus sehen kann ist Die Herrenausstatterin das zweite Buch, das ich von Mariana Leky gelesen habe. Die Art und Weise, wie sie sich ihren Themen nähert, erinnert mich an eine Leidenschaft meiner Jugendzeit, für die ich mein halbes Taschengeld ausgab: Lakritzschnecken. Diese meterlangen, schwarzen, unvergleichlich schmeckenden Bänder, die ich zur Hälfte ausrollte, mir ein Ende in den Mund schob bevor ich mich aufs Fahrrad schwang. Über meinen Oberschenkeln baumelte die stets kleiner werdende Schnecke hin und her. Fahrenderweise biss ich mir immer wieder ein Stück ab, kaute darauf herum, mit den Lippen hielt ich das Ende der Schlange fest. So ging es bis vor die Haustüre, dann war die Lakritzschnecke verschwunden. Nur der Geschmack blieb noch lange auf Zunge, Zähnen, im Hals.

Nun spielen natürlich bei Mariana Leky Lakritzschnecken überhaupt keine Rolle. Nicht die geringste; es ist womöglich sogar so, dass die Autorin Lakritz nicht einmal mag. Was also erinnert mich an diese Süssigkeit?

Es muss mit Mariana Lekys Art zu schreiben zu tun haben. Sie fasst ein Ding ins Auge, so gewöhnlich es auch sein mag. Dann umkreist sie es. Als  würde sie kreisend um ein Detail dieses immer von einer anderen Stelle aus betrachten. Mal von weiter weg, mal aus nächster Nähe. Und mit jedem Verschieben des Blickwinkels gewinnt sie andere Einsichten. Mit der Zeit erscheint mir dieses stete Rotieren um die Dinge als die einzig richtige Art, überhaupt etwas zu betrachten. Und Spass macht es obendrein, da ich mich gerne auf den skurrilen Witz von Mariana Leky einlasse.

Zur Geschichte von Die Herrenausstatterin: Katja Wiesberg hat ihren geliebten Mann Jakob verloren. Der Verlust fühlt sich an wie ein grosses, dunkles Loch, in welchem Katja zu verschwinden droht. Doch dann taucht Herr Blank in Katjas Badezimmer auf. Keiner kann so gut zuhören, wenn Katja schweigen will, wie Herr Blank. Sein Verständnis für Katjas Verzweiflung ist immens, seine Geduld ist von einem anderen Stern. Und dann steht plötzlich jeden Abend Feuerwehrmann Armin vor Katjas Türe. Katja, Blank und Armin gehen auf eine Reise nach Holland. Nach und nach nimmt die Anziehungskraft von Katjas dunklem Loch ab, dafür tauchen andere Löcher auf.

Mariana Leky hat ein fabelhaftes Gespür für die Absurditäten des Lebens, ihre Figuren sind einzigartig und zutiefst menschlich: Wir kennen sie alle, auch wenn wir ihnen noch nie begegnet sind. Sie lieben sich, sind manchmal verzweifelt einsam dabei. Sie führen ihr gewöhnliches Leben. Manchmal sind sie verrückt, meistens sind sie gut, tun aber manchmal das Falsche oder das Richtige auf falsche Weise. Das Leben muss irgendwie bewältigt werden, oder wie Herr Blank es ausdrückt: „Alle wichtigen Entscheidungen müssen auf der Basis lückenhafter Daten getroffen werden.“

 

Titel: Die Herrenausstatterin, Roman, Taschenbuch

Autorin: Mariana Leky

Verlag: Verlag Dumont, Köln, 2010, http://www.dumont-buchverlag.de

ISBN978-3-8321-8544-2, Fr. 15.90/Euro 11.–

Kurzbewertung: Liebe und daraus folgende Verzweiflung mit einer hübschen Prise Absurdität gemischt. Wie bei Was man von hier aus sehen kann, kommt auch hier jemand auf tragische Weise zu Tode. Müsste nicht sein, weil die Autorin auch ohne übertriebene Tragik herrlich schräg fabulieren kann.

Für wen: Lakritzschneckenschleckmäuler

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„orte“ läutet den 1. August ein

Für einmal möchte ich eine Literaturzeitschrift vorstellen. orte Nummer 197 unter dem Titel  Die Heimat freut sich darauf, gemacht zu werden widmet sich pünktlich zum Schweizer Nationalfeiertag hin einer Literaturgattung, die es so nur in der Schweiz gibt: der 1.-August-Ansprache. In der Einleitung zum Heft (das Korrekturprogramm schlägt passenderweise „Einleutung“ vor, so dass jetzt jedem Schweizer die Ohren schellen und er sich schnell mit Lampion, Kind und Cervelat auf den Weg machen möchte) schreibt Jeroen Dewulf: „Selbstverständlich gibt es auch österreichische und deutsche Autoren, die sich in Vorträgen zum eigenen Land äussern, aber nie tun sie das zu den spezifischen Umständen, die eine 1.-August-Rede auszeichnen.“ Dazu gehören neben einer gesinnungsmässig kunterbunt gemischten Menge Volk auch das Knallen von Feuerwerk, Bratwurstschwaden, Tschinderassabumm, Jodel und Kinderlärm und hier und dort ein undefiniertes Unwohlsein, das immer dort auftaucht, wo zuviel Patriotisches in der Luft liegt. Und alle Anwesenden wollen von der 1.-August-Ansprache irgendwie beglückt oder zumindest, wie es heute heisst, „abgeholt“ werden.

Das orte-Heft vereint Ansprachen aus ganz unterschiedlicher Zeit. Aus dem Jahr 1935 stammt eine humorvolle und zugleich berührende Erzählung aus der Fremdenlegion von Friedrich Glauser.  Die im Heft vertretenen Autoren sind respektiert, manch einer getraute sich was und eckte damit nicht übel an. Sie haben entweder selber eine 1.-August-Rede gehalten, oder aber sie wissen von einer zu erzählen. Vertreten sind Thomas Hürlimann, Isolde Schaad, Max Frisch, Franz Hohler, Franco Supino, Adolf Muschg, Peter Stamm, Peter K. Wehrli sowie Cornelia Hesse-Honegger.

Und nein: es geht nicht um Rütlischwüre, Winkelried oder Tell, auch nicht um deren selbstlegitimierte Nachkommen, die ganz genau zu wissen meine, was ein rechter Schweizer sei und wo heutzutage der Gessler hocke. Es geht um eine Auseinandersetzung mit dem Begriff Heimat. Oder wie Frisch es sagte: „Mich interessiert, was für Helden wir heutigen Schweizer sind.“ Weltoffen? Ängstlich? Korrupt? Gleichgültig? Was bedeutet überhaupt Freiheit und wie nutzen wir sie? Und was heisst es, eine Schweizer Identität zu besitzen?

Fragen, die es sich zu stellen lohnt, denn wir vergessen in der Fülle unseres Landes nur allzu leicht, dass eine Heimat gestaltet werden muss, wenn es sich lohnen soll, auch in Zukunft darin zu leben. Das verlangt Überlegung und idealerweise aktives Dazutun. Einmal im Jahr eine Wurst zu bräteln und vom Morgenrot zu singen, in der Zwischenzeit aber das Feld jenen zu überlassen, die Hetzreden schwingen und sich dabei einbilden, die Schweiz erfunden zu haben, genügt sicher nicht. Denn: „Es geht um Heimat, die stets damit rechnet, dass sie von etwas anderem umgeben ist: von der Welt“, schreibt Peter K. Wehrli.

 

Titel: Die Heimat freut sich darauf, gemacht zu werden, orte Schweizer Literaturzeitschrift Heft Nr. 197, 96 Seiten, mit zahlreichen Cartoons von Magi Wechsler, Zürich

Verlag: www.orteverlag.ch, ISBN 9783858302335, Fr.18.–/Euro 18.–

Für wen: Kluge Texte zu schweizerischer Befindlichkeit. Kann man jedem Schweizer empfehlen, aber auch Ausländer, die planen, an einer 1.-August-Feier teilzunehmen, haben nach der Lektüre so etwas wie eine Ahnung, was sie ausser Feuerwerk so alles erwartet

 

 

 

 

 

Es grünt so bunt

Tut mir leid Leute,  ich bin dabei meinen Blog etwas neu zu strukturieren und deshalb habt Ihr heute Nachmittag einen Beitrag erhalten, der euch vermutlich nicht so spannend vorkam, meiner Meinung nach aber trotzdem auf meinen Blog gehört: Leser will ja wissen, wer da so bloggt. Ich jedenfalls bin bei Blogs immer auch am Menschen dahinter interessiert.

Ihr habt sicher festgestellt, dass Buch & Bücher jetzt über Kategorien verfügt: Kriminelles findet ihr unter Fürchten und Schaudern, Liebe und Leben spricht für sich selbst, Kochen und Geniessen gleichfalls.

Jetzt aber ein Nachtrag zum letzten Kochbuchblog. Erst wollte ich mir ja Die grüne Küche für jeden Tag auf einen späteren Zeitpunkt aufsparen. Das habe ich nun anders entschieden, denn in diesem Band werden vegetarische und vegane Rezepte vorgestellt. Da wäre es doch schade, bei all den gartenfrischen Zutaten, die gerade zu haben sind, noch bis in den Herbst hinein zu warten:

Einfach gekocht und wenn möglich bio

„We want our recipes to be as simple and pure as possible.“ Dieser Satz stammt aus den Greenkitchenstories von David Frenkiel und Luise Vindahl. Zusammen betreiben sie seit langem einen Foodblog. Die entsprechenen Kochbücher sind ein Zeichen ihres Erfolgs. Auf meinem Tisch liegt Die grüne Küche für jeden Tag. Das Buch versammelt die Leibgerichte der Familie Frenkiel-Vindahl: Die Rezepte sind also alltagserprobt und kommen gemäss den Verfassern auch beim Nachwuchs an. Dass dies nicht immer einfach ist bei dem ständig wechselnden Geschmack von Kindern, bestätigt auch David Frenkiel. Deshalb, schreibt er, lassen sich die Rezepte auch einfach abwandeln. Neben den Rezepten erzählen die beiden Autoren, wie das bei Bloggern üblich ist, auch aus ihrem Alltag.

Basics: Frenkiel und Vindahl betonen, wie wichtig es gerade bei vollem Arbeitsplan der Eltern ist, einige Basiselemente im Kühlschrank bereit zu halten. Tomatensauce und Hummus zum Beispiel. Oder ein Pesto, das sich nicht nur für Spaghetti einsetzen lässt, sondern auch als Würzmischung oder als Geheimzutat in die Salatsauce.

Ich habe natürlich wieder einiges aus dem Buch ausprobiert. Gleich vorneweg: Für Quinoa kann ich nur ein Schulterzucken aufbringen, bei grünen Smooties (Banane, Staudensellerie, Brokkoli, Spinat, Ingwer!) schaudert mich, beim Anblick eines Chiasamen-Puddings hört für mich der Spass an der gesunden Küche auf (obwohl meine Tochter ausgerechnet von diesem Pudding schwärmt). Und irgendwie schienen mir die Fladenbrote in Regenbogenfarben und grasgrüne Pfannkuchen gleichfalls wenig verlockend. Dazu wäre noch zu sagen, dass mir die Farbenfreude der im Buch abgelichteten Speisen gefiel. Sie zeugt vom Mut der beiden Autoren, Zutaten unterschiedlichster Art zu kombinieren. Das fasziniert mich einerseits, anderseits meine ich doch, dass nicht alles und jedes zusammenpasst (Banane und Staudensellerie lassen grüssen.) Also habe ich nachgekocht, was ich in jedem Fall auch essen würde: Linsen, mehrere Gemüserezepte, Tomatensugo,  Perfektes Pesto. Der Titel „Perfektes Pesto“ schien mir etwas hoch gegriffen. Ich habe das Rezept genau umgesetzt und sage: Perfekt.

Nachgekocht habe ich auch das „Alltagsdal“. Das Ergebnis war okay, aber ein Lieblingsrezept wird daraus nicht. Einhellige Begeisterung am Tisch konnte ich hingegen mit den gebackenen Chermoula-Auberginen ernten, die, eingeritzt und  liebevoll und ausdauernd mit einer Würzmischung eingerieben, einige Zeit im Ofen verbrachten. Selbst Auberginen-Verächter werden damit bekehrt.

 

Titel: Die grüne Küche für jeden Tag, Schnell gesund und vegetarisch, gebunden, 256 Seiten

Autoren: David Frenkiel und Luise Vindahl, aus dem Englischen von Gundula Müller-Wallraf

Verlag: Knesebeck, 2017, https://www.knesebeck-verlag.de

ISBN 978-3-95728-040-4, CHF 49.90/Euro 34.95

Kurzbewertung: Jede Menge alltagstaugliche, innert nützlicher Frist umsetzbare Familien-Rezepte für Vegetarier und Veganer. Abwechslungsreiche und gesunde Küche, auch einiges für die Verpflegung „to go“. Das Buch ist durch das Format eher unhandlich, die Bebilderung käme auf Hochglanzpapier besser zur Geltung als auf dem matten Papier, entspricht aber durchaus der Absicht der Verfasser, ungekünstelte, natürliche und gesunde Produkte zu präsentieren. Küchentauglicher Einband.

Für wen: Für grüne Hunde, bunte Vögel, Gesundesser, Naturverkoster und ihre Nachkommen.

 

Selbst geschrieben

Ich blogge über Bücher und ich schreibe. Wenn’s gerade passt, veröffentliche ich etwas. Hier eine unvollständige Liste dessen, was von mir in gedruckter Form vorliegt:

 

Frisch ab Presse: 

Poesie-Agenda 2019, orte Verlag Schwellbrunn, herausgegeben von Jolanda Fäh/Susanne Mathies, nächstens lieferbereit, Fr. 18.–,  www.orteverlag.ch

 

Noch zu haben:

Poesie-Agenda 2018, orte Verlag Schwellbrunn, herausgegeben von Jolanda Fäh/Susanne Mathies, ISBN 978-3-5830-212-0,  Fr. 9.– http://www.orteverlag.ch

 

Einzelveröffentlichungen

2015: Von Engeln, Bengeln und anderem weihnachtlichem Zubehör, 25 Mini-Geschichten für die Advents- und Weihnachtzeit, neobooks, ISBN 3738018425, 9783738018424, Fr. 4.50

2009: Wadenbeisser-Gedichte, Jolanda Fäh, Fundorte 32, orte Verlag Schwellbrunn, ISBN 978-3-85830-149-9, Fr. 28.–

2009: Urwaldhus, Tierhag, Ochsenhütte und Co., orte-Verlag Oberegg AI (gemeinsam mit Werner Bucher)

 

Beiträge in Anthologien

2018: In der Tiefe, Anthologie mit 34 Beiträgen, Herausgeberin Susanne Mathies, litac Verlag Zürich, http://www.litac.info, Fr. 15.90

2014: 750 Wörter Zeichen Jahre, Waldgut Verlag Frauenfeld

2003: blütenweiss bis rabenschwarz, 200 St.Galler Frauen-Porträts, Limmat-Verlag Zürich;

 

 

Ausserdem

2018: Libretto zu „Am Rhein“, Opernszenen komponiert von Matthias Arter, Uraufführung Zürich 2018. Liegt leider nicht in gedruckter Form vor.

Feinschmöckereien

Lesen ist für mich ein Vergnügen, das sich durchaus mit dem Verspeisen von Köstlichkeiten vergleichen lässt. Mit dem Einverleiben von etwas Körperfremden, das sich im Laufe des Genusses zu etwas von einem selbst transformiert. Müsste ich ein Bild von einem Lesenden malen, dann vielleicht bei offenem Fenster, neben dem Sessel ein Tischchen, ein Glas Rotwein, ein Stückchen Käse, duftendes Brot.

Und deshalb finde ich es durchaus logisch, von der Literatur für einmal einen Schritt in die Kochbuchecke zu machen. Gleich drei Kochbücher möchte ich hier präsentieren: das erste spricht von reiner Sinnlichkeit, das zweite rettet die feinen, überschüssigen Gartensachen in die Vorratskammer, das dritte entspricht ganz dem Zeitgeist und verspricht Zeitersparnis ohne Fastfood.

Jetzt ist die Zeit, wo die Märkte so bunt und reichhaltig sind wie nie. Da kommt Lust auf, die Körbe zu füllen und Neues auszuprobieren. Nachdem ich meine Nase in die neuen Kochbücher gesteckt habe, ging es ans Aussuchen der Rezepte und der Zutaten. Aus jedem der drei hier besprochenen Bücher habe ich einige Rezepte ausprobiert. Einiges ist gelungen, anderes, na ja…

 

a casa schmeckt’s am besten

a casa ist ein Kochbuch, das vollumfänglich hält, was es verspricht: nämlich pure Sinnlichkeit. Ich habe es im Zug von der Ostschweiz hinunter in die Südschweiz gelesen und war so darin vertieft, dass sich sogar der Schaffner gewundert hat, was das für ein Werk in meinen Händen ist. „Ein Kochbuch!?“ Genau, ein Kochbuch, aber eigentlich viel mehr: ein Kochtagebuch, quer durchs Jahr und dazwischen Pasta, Pane, roba da pazzi. Reinste Glückseligkeit. Klar, der Autor Claudio Del Principe hat italienische Wurzeln, da darf etwas Amore beim Fertigen der Pasta erwartet werden. Hier aber ist einer am Kneten, bei dem der Genuss beim Einkaufen beginnt, einer, der beim Zubereiten schon den Duft des fertigen Gerichts in der Nase hat und der mit rundum gutem Gewissen zu geniessen weiss. „Es macht nicht weniger als glücklich, sich jeden Tag etwas Gutes zu tun“, schreibt er. Und von Zeitersparnis beim Kochen hält er gar nichts: Lieber eine schlichte Speise zubereiten, als eine geschmacklose, lautet hier sein Credo. Der Mann ist seit längerem in der Kochblogszene bekannt.

Blättert man in Claudio del Principes Buch, so fallen einem die wunderbaren Brote auf, die er präsentiert. Wer bei deren Anblick keine Lust bekommt hineinzubeissen, der hat wahrscheinlich noch nie in seinem Leben richtiges Brot genossen. Ich jedenfalls habe mir gleich eine Lievito Madre angesetzt. Sie blubbert jetzt vor sich hin und wartet auf ihren Einsatz. Del Principe empfiehlt Demut beim Brot-Projekt. Mal sehen, wie lange es dauert, bis meine Brote so aussehen werden wie seine. Was habe ich noch zubereitet: ein Omelett. „Ha“, werden Sie denken, „Omelett, soll das Kochkunst sein?“ Ich weiss es jetzt: es ist Kochkunst. Und es war köstlich! Auch wenn ich nicht richtig kapiert habe, wie das jetzt genau gehen sollte mit dem Falten, damit die zwei Spitzen spitz zulaufen. (Lieber Claudio Del Principe: Ich übe noch, vor allem Geduld.) Pasta habe ich auch zubereitet, in der Freude gleich eine Menge Teig geknetet. Ganz unerfahren bin ich in der Küche nicht, doch meine Versuche in der Herstellung von Pasta enden meist in einem grandiosen Scheitern. Für Pasta braucht es eben mehr als Amore, da muss auch Erfahrung her. Am besten eine Mamma, die einem beibringt, wie man es richtig macht. Ansonsten: üben, üben, üben. Aber Claudio Del Principes’ Sauce aus gebackenen Peperoni und die Auberginenfüllung seiner Cappellacci: Mamma mia, da möchte man den Teller gleich ausschlecken.

Claudio Del Principe wohnt in Basel und hat das Glück, Wochenmärkte in den Nähe besuchen zu können. Auch hält er sich des öfteren in Italien auf. Die Quellen zu all den verlockenden Köstlichkeiten, die man für seine Rezepte braucht, sind ihm demnach leicht zugänglich. Hier sehe ich die einzige Schwierigkeit: Wer wie ich in einem Bergstädtchen wohnt, kommt kaum einmal zu Fregula sarda, Catalogna oder Barba di frate. Die meisten Rezepte sind aber ohne Reiseaufwand nachkochbar.

 

Titel: a casa, Ein sinnliches Kochtagebuch, gebunden, 319 Seiten

Autor: Claudio Del Principe

Verlag: atVerlag, Aarau, 2017, www.at-verlag.ch

ISBN 978-3-03800-970-2, CHF 49.90/Euro 39.90

Kurzbewertung: Liest sich locker wie ein Tagebuch, mal ernst, mal heiter, durchsetzt mit wunderbaren Rezepten aus der italienischen Küche. Bravo!

Für wen: Für Fortgeschrittene in der Küche und jene, die die Planung, Zubereitung und das Essen von Speisen als sinnliches Vergnügen verstehen.

 

Köstlich kann auch für später sein

Ihren eigenen Kochblog betreibt auch Britta Gädtke. Glasgeflüster nennt die passionierte Einkocherin ihren Blog. Eine Sammlung von 47 Rezepten sind jetzt in ihrem Buch Liebe im Glas vereint. Damit die Sache auch wirklich klappt, ergänzt die Autorin das Buch mit Basiswissen rund ums Einmachen, mit einem Saisonkalender und weiteren Tipps und Wissenswertem. Der Band kommt in kräftigen Pink-Violetttönen daher, einem küchentauglichen Einband und ist mit Bildern ausgestattet, die Lust aufs Nachkochen machen.

Ich habe mir gleich die selbstgemachte körnige Gemüsebrühe hergestellt. Keine Hexerei und ein Ergebnis, das als Geschmacksbooster für alles gelten kann, was Brühe verträgt. Garantiert frei von Zusatzstoffen.

Vor einiger Zeit habe ich in einem Hotel eine Konfitüre gekostet, die alles übertroffen hat, was ich je in Sachen Brotaufstrich genossen habe. Bei Liebe im Glas finde ich nun ein Rezept dazu: Schwarzwälder Kirsch-Konfitüre. Schade nur, dass die Konfitüre durch den Zusatz von Kakao nur vier bis sechs Wochen haltbar ist. Man sollte sie also in Kleinmengen herstellen und rasch verputzen. Ich garantiere, das wird kein Problem darstellen.

Es ist Grillsaison, da kommt das Rezept für eine Barbecue-Sauce gerade recht. Das Ergebnis kommt bei meiner Familie nicht so recht an, ich selber finde es durchaus gut. Das gleiche gilt für das Zitronen-Rosmarin-Öl.

 

Titel: Liebe im Glas, Kreativ-ungewöhnliche Rezeptideen, gebunden, 90 Seiten

Autorin: Britta Gädtke

Verlag: BLV München,www.blvverlag.de

ISBN 978-3-8354-1676-5, Euro 18.–/ Fr. 27.90

Kurzbewertung: Einfache Rezepte für Marmeladen, Curds, Chutneys, Sirupe, Liköre, Essige, Öle, Saucen, teilweise mit überraschenden Zutaten. Die Autorin hat auch ein paar Tipps auf Lager.

Für wen: Für Küchenanfänger, die sich gerne etwas in den Vorratsschrank stellen oder auf der Suche nach selbstgemachten Geschenken sind. Bezieht Ihr Nachwuchs gerade seine erste eigene Wohnung: geben Sie ihm anstelle von Liebe in Gläsern Liebe im Glas mit.

 

Vorkochen ade, Meal Prep olé

Meal Prep: Was unter diesem Titel daherkommt, hiess früher Vorkochen und war das, was Hausfrauen für ihre Ehemänner taten, bevor sie sich für eine Woche Urlaub verabschiedeten. Das Vorgekochte wurde in Tupperware abgefüllt und im Kühlschrank verstaut, und wenn die Frau nach Hause kam, stand das meiste noch unberührt dort, weil die Männer zu bequem waren, sich das zubereitete Gulasch oder Gehacktes aufzuwärmen. So ungefähr war das …

Tupperware ade. Meal Prep ist nicht für altbackene Ehemänner, sondern für coole Arbeitsbienen beiderlei Geschlechts gedacht, die ihren Lunch gerne dort einnehmen, wo sie arbeiten, um ja keine Zeit zu verlieren. Meal Prep setzt auf trendige Bento-Boxen und hübsche Gläser und Flaschen. Das Auge isst mit. Und deshalb sind die von zu Hause mitgebrachten Speisen auch bunt und kunstvoll eingeschichtet und angerichtet. Über den Salat beispielsweise kommt ein Dressing aus der Flasche, Croutons, geröstete Nüsse oder eine Würzmischung aus der Tüte.

Keine Zeit verlieren gilt es auch beim Kochen. Eingekauft wird einmal pro Woche. Die Zubereitung der Speisen erfolgt weitestgehend ebenfalls einmal wöchentlich. Das Gemüse wird im Ofen geröstet und kommt später für allerlei Speisen zum Einsatz: im Salat, als Beilage, als Füllung für Wraps etc. Dasselbe gilt für Fleischspeisen, die geschnitten oder gezupft nur darauf warten, als Belag, Röllchen oder Einlage verwendet zu werden. Lachs wird gebeizt, Pizzen werden soweit zubereitet, dass man sie später nur noch aus dem Kühler holen muss. Und damit die Geschmacksvielfalt gegeben ist, runden Pasten, Fonds und Gewürzmischungen den Vorrat ab. Die Autorin von Alles schön vorbereitet, Andrea Martens, schwört auf das Vorgehen und verspricht einiges an Zeit- und Geldersparnis. Ausserdem schreibt sie: „Das Leben ist zu kurz für schlechtes Essen in der Mittagspause.“

Mein Eindruck: Das Buch bietet zahlreiche kreative Anstösse für Leute, die Anstösse brauchen, um sich gesund und abwechslungsreich in ihrer Mittagspause zu ernähren. Andrea Martens zeigt, wie man Tortillas, Omeletten oder Salatblätter mit köstlichen Dingen füllen kann. Suppen im Glas mitzunehmen und je nachdem, was man im Kühlschrank vorbereitet hat, sie mit Fleisch, Brotwürfeln oder Kräutern aufzuwerten, scheint mir ebenfalls eine gute Idee zu sein. Weniger halte ich davon, Reis oder Nudeln auf Vorrat vorzukochen, und es käme mir nicht im Traum in den Sinn, eine Guacamole oder eine Gremolata auch nur ein paar Stunden vor dem Genuss herzustellen. Ansonsten bringt das Buch auch einige Anregungen für Menschen, die gerne für alle Fälle etwas im Kühler haben möchten, zum Beispiel mariniertes Pouletfleisch.

Nachgekocht habe ich die Karotten-Ingwer-Suppe, wobei ich die Sahne zwecks Kalorienersparnis weggelassen habe. Sie war würzig, mit zartem süsslichem Orangengeschmack. Sehr lecker.

Gemundet haben auch die vormarinierten Pouletwürfel. Es ist tatsächlich praktisch, so etwas im Tiefkühler bereitzuhalten, vor allem, wenn die Geschäfte geschlossen oder die Zeit knapp ist.

Ich weiss, dass es für Menschen, die ausser Haus arbeiten müssen, durchaus gang und gäbe ist, sich Salatsaucen auf Vorrat in den Kühlschrank zu stellen. Ich habe deshalb auch eine Vorratsmenge an Salatsauce zubereitet, obwohl: siehe oben. Das Ergebnis war – wie erwartet – in keiner Hinsicht nach meinen geschmacklichen Vorstellungen. Allerdings immer noch um Längen besser, als alles was beim Grossverteiler im Regal steht.

Lachs selber zu beizen ist einfach und immer eine gute Idee. Andrea Martens zeigt auch, wie man das gute Stück mit diversen Zutaten immer wieder anders auf den Tisch bringt.

Eine Vorratsmenge Pfannkuchen fürs Frühstück zuzubereiten, kam bei meinen Feriengästen gut an.

 

Titel: Alles schön vorbereitet, Entspannte Meal-Prep-Rezepte für die ganze Woche

Autoren: Andrea Martens, Jo Kirchherr

Verlag: atVerlag, Aarau, www.at-verlag.ch

ISBN 978-3-03800-919-1, CHF 29.90/Euro 25.00

Kurzbewertung: Gluschtig und peppig bebilderter Band mit vielen Vorschlägen für abwechslungsreiche, selbstgemachte Bürolunchs sowie vorbereitete Speisen und Zutaten aus dem Kühler. Gesund, bunt und selbstgemacht statt schnell gekauft, eintönig und kalorienbombig ist die Devise.

Für wen: Für alle, die es leid sind, im Büro ein pampiges belegtes Brötchen zu verdrücken.

 

Erlebnisurlaub: Wie wär’s mit einer Einbruchstour in Australien?

 

Sommerzeit ist Urlaubszeit und deshalb genau richtig, um spannende Literatur auf dem Liegestuhl zu geniessen. Garry Disher nimmt uns mit seinem Krimi Leiser Tod nach Australien mit, genauer gesagt in den Südosten des Landes, in den Bundesstaat Victoria.

Von der ersten Seite an nimmt Garry Dishers Story Fahrt auf. Wir begleiten die drogen- und spielsüchtige, stets vorausschauende Grace kreuz und quer durchs Land auf ihren Raubzügen, und wenn wir bis jetzt nicht gewusst haben, worauf ein Einbrecher so alles achten muss, wenn er nicht erwischt werden möchte: Spätestens auf Seite 20 haben wir einen Grundkurs absolviert. Rein literarisch versteht sich. (Möglicherweise überlegen wir aber in unserem Liegestuhl auch, inwieweit wir unser Hab und Gut zu Hause vor Einbrechern geschützt haben.)

Der Autor, der selber in Südaustralien aufwuchs, reichert seine Geschichte mit vielschichtigem Personal an. Da ist beispielsweise Pam Murphy, die vermeintlich taffe Polizistin mit dem rustikalen Humor und einem angespannten Verhältnis zu den Eltern; oder ihr Kollege Scobie Sutton, der bei der Schulaufführung seiner Tochter zur väterlichen Hochform aufläuft, im Polizeidienst aber eher schwerfällig wirkt. Kommissar Hal Challis selber leitet seine Leute mit Umsicht, zwischendurch schluckt er jedoch manchen Seufzer hinunter. Zu allem Elend befindet sich seine Gefährtin Ellen auf Weiterbildung, Ellens Tochter reagiert auf Hal gereizt, Hals Auto macht die letzten Huster, und die ständigen Überstunden nagen an seiner Widerstandskraft.

Wenn ich das Bundesland Victoria google, erhalte ich jede Menge Bilder von spektakulären Küstenabschnitten, Stränden und der Skyline von Melbourne. Garry Disher vermittelt in seinem Krimi ein völlig anderes Bild: Ansiedlungen, irgendwo im Nirgendwo; eine zersiedelte Landschaft, die alle hundert Meter zwischen gepflegt und total vernachlässigt wechselt; Kleinstädte, die nicht so recht wissen, ob sie schon zum Einzugsgebiet von Melbourne gehören oder doch lieber malerisch-klein und liebenswert bleiben möchten. Hinter den mal pompösen, mal abblätternden Fassaden leben Individuen aller Art, von hinterhältig-gemeingefährlich, neureich-gleichgültig bis unbescholten-naiv. Da das Bundesland Victoria die höchste Bevölkerungsdichte aller australischen Bundesstaaten aufweist, wirkt das von Disher gezeichnete Bild auf jeden Fall glaubhafter als die oben geschilderte Google-Postkartenidylle. Und er entwirft plausible Charaktere, die man trotz ihrer offensichtlichen Mängel von Herzen mag – oder auch verabscheuen kann.

 

Titel: Leiser Tod, Kriminalroman gebunden

Autorin: Garry Disher, aus dem Englischen von Peter Torberg

Verlag: Unionsverlag, Zürich 2018, www.unionsverlag.com

ISBN 978-3-293-00528-0, Euro 22.–/ Fr. 30.–

Kurzbewertung: Im australischen Bundesstaaat Victoria kreuzen sich mehr oder weniger zufällig die Wege einer raffinierten Einbrecherlady, eines korrupten Ex-Polizisten, eines Bankräubers, eines Vergewaltigers, eines Kunstfälscherpaars und eines Hehlers. Kriminalkommissar Hal Challis und sein Team haben keine ruhige Minute. All die bösen Buben und Mädchen müssen ermittelt, gefunden und festgesetzt werden. Doch die Mittel der Polizei sind begrenzt. Hal Challis beklagt sich darüber bei der Presse. Seine Vorgesetzten sind mehr als verärgert. Temporeich, spannend mit reizvollen Abstechern in die Gegend und in die Handlungsmotivation und Lebenswelten der Protagonisten.

Für wen: Wer Krimis mag, wird diesen ohne Zweifel lieben. Eine Fünf-Sterne-Empfehlung von mir!

„Ein seltsames Schreiben ist dieses autobiographische Schreiben…“

 

Hansjörg Schneider ist ein Autor, der seit langem zum inneren Kreis der schweizerischen Literaturszene gehört. Obwohl jetzt seine Autobiographie erschienen ist, würde man ihn kaum als einen Autor bezeichnen, der gerne Wirbel um sich selbst veranstaltet. Eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein.

Wirbel gab es allerdings trotzdem: Als nämlich 1981 das Schweizer Fernsehen Hansjörg Schneiders Sennetunschi ausstrahlte, eine erotisch ausgedeutete Alpensage, war das Entsetzen im Lande gross. Das Stück über die Fleisch gewordene Puppe war in Mundart geschrieben und dies in einer groben, sexuell aufgeladenen Sprache: So mochte sich mancher die heile Alpenwelt nicht vorstellen. Im Eifer der Diskussionen ging beinahe unter, dass Hansjörg Schneider das Schauspiel bereits ein Jahrzehnt früher verfasst hatte. Es wurde 1972 in Zürich uraufgeführt und sorgte bereits damals für Gesprächsstoff.

Doch Hansjörg Schneider ist nicht nur der Autor des Sennetunschi. Von ihm sind regelmässig Bücher erschienen und Schauspiele aufgeführt worden. Hierzulande kennt jeder seine Figur Kommissär Hunkeler, nicht zuletzt, weil Mathias Gnädinger in den Hunkeler-Filmen dieser Rolle sein besonderes Gepräge gegeben hat. Der Erfinder, ein Stück, das von Kurt Gloor für einen Film adaptiert wurde, stammt gleichfalls von Hansjörg Schneider. Ich habe den Erfinder nie auf der Bühne gesehen, der Film mit Bruno Ganz in der Hauptrolle beeindruckte mich aber sehr.

Schneiders Autobiographie trägt den Titel: „Kind der Aare“. Landschaftliche und menschliche Umgebung prägen uns Menschen. Schneider ist im aargauischen Zofingen aufgewachsen, eine Gegend, die der Autor fein und detailgenau zeichnet, mit Flüssen und Bächen, Gassen, Häusern, ihren Bewohnern und ihrer Geschichte. Der Kanton Aargau hat immer wieder besondere Schriftsteller hervorgebracht, Hansjörg Schneider weiss sich in guter Gesellschaft.

Der 80jährige Schriftsteller widmet in seinem Rückblick besonders seinen Kinder- und Jugendjahren grosse Aufmerksamkeit. Er wuchs in einem Elternhaus auf, in welchem nicht viel diskutiert wurde. Kinder hatten zu gehorchen, zu schweigen und zu glauben, was die Grossen ihnen an Wissen zu vermitteln bereit waren. Entfaltung war nicht gefragt. Sie fand entweder im Inneren statt, in Rebellion oder gar nicht. Hansjörg Schneider floh in Bücher und später in die Entscheidung, selber zu schreiben. Die schwierige Beziehung zum dominanten Vater hat den jungen Autor noch weit ins Erwachsenenleben hinein belastet.

Bei Autobiographien kann man sich natürlich fragen, welchen Mehrwert das Lesen einer solchen mit sich bringt. Wer in den 40ern oder 50ern des letzten Jahrhunderts gross geworden ist, hat wohl eine ähnliche Jugend erlebt wie Schneider. Man wuchs in eine Rolle hinein. Gefragt, ob einem diese passe, wurden die wenigsten. Schneider beschreibt dieses Gefüge: die familiäre und dörfliche Kultur, das oft kleinkarierte Denken. So ist dieses Buch auch ein treffender Blick zurück in die eigene Kindheit oder in jene der Eltern und Grosseltern.

Sehr gelungen und überlegt, wie Hansjörg Schneider zwischen seine Erinnerungen Momente aus der Gegenwart flicht. Dadurch gewinnt die Biographie Struktur und gewährt dem Leser Augenblicke des Innehaltens: „Ein seltsames Schreiben ist dieses autobiographische Schreiben, das ich hier betreibe. … Erinnerung wählt aus, verdrängt das eine, rückt das andere in den Vordergrund. Eines nach dem andern heißt: eines vor dem andern. Das eine, das die Erinnerung ist, verdrängt das andere, das die erlebte Realität ist.“

Geschickt webt Schneider den jeweiligen Zeitgeist und die darin agierenden Menschen -– vor allem Lehrer, Schriftstellerkollegen oder Freunde aus der Theaterszene – in seine Erzählung hinein. Was aussen vor bleibt, sind Frau und Kinder. Das passt durchaus zum zurückhaltenden Schriftsteller. Zurückhaltend allerdings nur, wenn es um die persönlichen Angelegenheiten geht; wo er es für nötig erachtet, spricht er nicht um den heissen Brei herum. Seine Sache ist der Klartext: nichts Gekünsteltes oder Aufgesetztes, Überkandideltes haftet seiner Sprache an. Ein Lesegenuss, aus dem in Zwischentönen die Irritation eines alternden Mannes gegenüber dem Heute hörbar wird.

Titel: Kind der Aare, Autobiographie, mit einem Nachwort von Beatrice von Matt, gebunden, 338 Seiten

Autor: Hansjörg Scheider

Verlag: Diogenes, 2018, www.diogenes.ch

Kurzbewertung: Klar in der Sprache, präzise in der Beobachtung, manchmal wehmütig erzählt Hansjörg Scheider sein Leben, seinen Werdegang und von den Menschen, die sein Leben geprägt haben. Dazu gehören nicht nur Eltern und Verwandte, sondern auch Lehrer und Kollegen. Homestories sind keine zu erwarten.

Für wen: Für alle, die gerne wissen wollen, was für ein Mensch und menschlicher Geist hinter den Geschichten über Kommissär Hunkeler oder dem Stück über das Sennetunschi steckt.